Eine faszinierende Reise durch die Epochen
Buchen. Mit dem Lehrerkonzert in der Stadthalle wurde die aktuelle Saison der Reihe „Buchen in Concert“ nicht nur beschlossen, sondern würdevoll um einen weiteren Höhepunkt ergänzt: Was das Publikum genoss, war mehr als ein Konzert – es war eine anspruchsvolle, feinfühlig zusammengestellte und von Sarah Wörz galant moderierte Reise durch verschiedene Epochen. So unterschiedlich die Darbietungen waren, so sehr vereinte sie das hohe Niveau – und eines ist gewiss: Die Eleven der Joseph-Martin-Kraus-Musikschule werden musikalisch und pädagogisch mit Verstand betreut.
Als Musterbeispiel hierfür sei bereits der Auftakt zu nennen: Albinonis Konzert für Oboe und Streichorchester in D-Dur (op. 7, Nr. 6) erfreute schwungvoll, voller Leben und Leidenschaft und mit unverkennbar barockem Charisma. Voller Anmut und Hingabe zur Musik glänzten hier Maria Gimeno Regal an der Oboe und Jewgenia Skripal am
Klavier. Als „sanfte Urgewalt“ lässt sich die „Ballade op. 288“ nach Carl Reinecke definieren: Martin Schmidt an der Flöte und Pianist Kirill Krotov erzählten die spätromantische Klanggeschichte mit Kraft und Tiefe, atmosphärisch dicht und äußerst markant. Beeindruckend war auch der Zyklus „Zwei Poem-Legenden“ (op. 12) – ein Werk des Ukrainers Wiktor Kosenko,das Jewgenia Skripal am Klavier mit äußerster Eleganz zelebrierte. Ganz richtig: „Con afflizione“ und „Drammatico“ wurden nicht nur präsentiert, sondern zelebriert; Leichtigkeit und Schwere trafen elegant aufeinander.
Nicht zu vergessen das kleine Opernfestival in der Stadthalle, zu dem Angela
Leupold mit bis zum höchsten Ton souveränem, kunstvoll-klarem Sologesang und Kirill Krotov als Mann am Klavier einluden – sie wussten mit zwei Werken Giacomo Puccinis sehr zu überzeugen. Voilà: „Un bel di, vedromo“ aus „Madame Butterfly“ entfaltete seine Dramatik ebenso wie „Quando me’n vo“ aus „La Bohéme“. Dabei wurde klar: Kirill Krotov kann das komplette Orchester, für das Maestro Puccini dereinst komponiert hatte, nicht ersetzen – was freilich auch nicht seine Aufgabe ist. Er brillierte
umso mehr mit meisterlichem Pianospiel: Man sah und hörte, dass der musikalische Nachwuchs (nicht nur) bei ihm in den besten Händen ist.
In jeder Hinsicht ein Ausrufezeichen setzte Mario Fadani am Kontrabass beginnend mit seiner lakonischen Selbstvorstellung: „Ich bin der nächste Programmpunkt – keine Angst, ich mach’ was!“, rief er und präsentierte einen grandiosen Höhepunkt des Abends, das einem subtilen Bonmot gleichkam. Seine um Variationen nach Bach und Bartok angereicherte Eigenkomposition „Buchen suchen“ vertont eine nebulöse Odyssee, die Fadani, seinerzeit als Akteur der Badischen Landesbühne, in die Frankenlandhalle geführt hatte.
Ehe man in der Pause vom Förderverein der JMK-Musikschule bewirtet wurde und dabei ins Gespräch kam – viele Konzertbesucher kannten sich untereinander und freuten sich über ein Wiedersehen – bereicherten noch Flötist Martin Schmidt, Philipp Hagemann am Cello und Gottfried Schütz am Klavier den Abend. Virtuos, opulent und gefühlvoll zugleich geriet ihre Interpretation des 1. Satzes (Moderato) des „Trio op. 97“; ein Werk des Belgiers Eugene Walckiers.
Mit einer tierisch-verspielten Hatz zwischen Maus und Katz ging es in die zweite Halbzeit: Simultan spielte Kirill Krotov am Piano die „Ungarische Rhapsodie Nr. 2“ Franz Liszts, vermischt mit unterhaltsamer Pantomine der Extraklasse – ein großer Spaß für das Publikum! Nach derart rassigen Klängen wurde es etwas ruhiger, als Holger Ams an der Violine, Veronika Fenzl an der Viola, Cellist Philipp Hagemann und Jewgenia Skripal am Klavier sich einer fast vergessenen Komponistin widmeten: Mit dem zweiten Satz (Adagio) des Klavierquartetts op. 25 in D-Moll erinnerten sie stilsicher an die 1923 jung und tragisch verstorbene, zwischen Sawe und Drau als komponierende Gräfin aufgewachsene Dora Pejacevic – mal mit elegischer Schwere, dann voller Erwartungsfreude auf alles, was kommen mag.
Für das nächste Stück wurde das Quartett zum Quintett erweitert: Mit Jutta Pfeil an der zweiten Violine interpretierte man gekonnt den ersten Satz Robert Schumanns Klavierquintett op.44 in Es-Dur, den der Komponist einst seiner Frau Clara gewidmet hatte – ein musikalischer Genuss, den die Lehrerband auf ganz andere Weise fortsetzte: Nach Art einer klassischen Combo trieben Alexander Monsch an der Trompete, Ralph Schweizer (Altsaxophon), Alberto Ménendez (Tenorsaxophon), Stanislav Klimov (Posaune), Kirill Krotov (Klavier), Mario Fadani (Kontrabass) und Holger Nesweda am Schlagzeug den Abend auf die Spitze – zunächst mit dem fetzig-jazzigen
Opus „The Soulful Mr. Timmons“ nach James Williams, dann mit „Chattanooga Choo Choo“ aus der Feder Harry Warrens. Hier wurden auch hinsichtlich der Spielweise Erinnerungen an Glenn Miller geweckt – und an Udo Lindenbergs „Sonderzug nach Pankow“ dürfte der eine oder andere Besucher auch gedacht haben.
So oder so: Der Abend genügte höchsten Ansprüchen, war kurzweilig und weckte die Lust an der Musik sowie am Musizieren – beste Werbung für „Buchen in Concert“ und die JMK-Musikschule, die sich über das Lob von Beigeordnetem Benjamin Laber freuen darf: „Diese Veranstaltung führte einmal mehr die hohe Qualität der JMK-Musikschule vor Augen. Die kommunalen Budgetmittel sind dort aus meiner Sicht sehr gut angelegt!“, betonte er begeistert.
Adrian Brosch, RNZ vom 27. April 206
Foto: Davorin Manovic